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138 Einsprachen gegen PilotprojektAnwohner laufen Sturm gegen Unterflurcontainer

Es hagelt Einsprachen gegen das umstrittene Abfallprojekt in Basel. Die Sammelstellen seien für manche Senioren schwer zu erreichen und würden das Ortsbild beeinträchtigen, sagen Kritiker. In der Stadt Zürich hat man hingegen gute Erfahrungen mit den Containern gemacht.

In Basel wollen es nicht alle schlucken, dass das Bau- und Verkehrsdepartement müllschluckende Unterflurcontainer installieren will (Bild: Anlage in Winterthur).
In Basel wollen es nicht alle schlucken, dass das Bau- und Verkehrsdepartement müllschluckende Unterflurcontainer installieren will (Bild: Anlage in Winterthur).
Foto: Heinz Diener

«Bisher haben wir 80 Einsprachen von 138 Einsprechenden erfasst», gibt Nicole Ryf, Co-Leiterin Kommunikation im Basler Bau- und Verkehrsdepartement, bekannt. Die Einsprechenden wehren sich gegen den Pilotversuch «Unterflurcontainer (UFC) im Bachletten-Quartier». 29 Container-Standorte sollen im Quartier entstehen, was 22 Parkplätze verschwinden lässt.

«Viele Einsprechende haben den Eindruck, der Pilotversuch missachte das Abstimmungsresultat vom Juni 2015», umreisst Ryf das Echo. «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir zu den einzelnen Begründungen nicht detailliert Stellung nehmen.»

Unterstützung für das System Unterflurcontainer kommt aus Zürich. Thomas Bieri leitet dort den Geschäftsbereich Entsorgungslogistik der Entsorgung + Recycling im Tiefbauamt der Stadt Zürich. Seit Jahren setzt die Metropole auf diese Art der Hauskehricht-Sammlung. Bieri vertritt den Standpunkt: «Das Stadtbild ist sauberer, weil die Säcke im UFC und nicht auf der Strasse auf die Abfuhr warten. Sie können von Tieren, zum Beispiel Krähen und Stadtfüchsen, nicht mehr aufgerissen werden.»

Ein nicht zu unterschätzender Vorteil sei, dass durch das Einwerfen der Säcke kaum Lärm- und durch das Schliessen der Einwurfschächte kaum Geruchsemissionen verursacht würden. Die Zugänglichkeit der UFC sei rund um die Uhr bequem, weshalb es sich erübrige, den Hauskehricht zu einem bestimmten Zeitpunkt für die Abfuhr bereitzustellen. «Durch das hohe Fassungsvermögen der UFC verringert sich der Verkehr in den Quartierstrassen», streicht Bieri heraus. «Betrieblich sind die UFC sehr vorteilhaft, da sie die Gesundheit der Mitarbeitenden sehr wenig belasten.»

«Die Streitbarsten in ganz Basel»

Argumente, die natürlich jene UFC-Kritiker im Quartier nicht überzeugen, die das Ortsbild in Gefahr sehen. Genauso wenig jene, die anführen, nicht alle Senioren seien noch in der Lage, ihren Hauskehricht bis zu 150 Meter weit zum nächsten UFC zu tragen. Ein Anwohner, der sagt, die Bewohner des Bachletten-Quartiers seien die «Streitbarsten in ganz Basel», mutmasst, das werde die Leute von der Müllabfuhr Stellen kosten.

Letzteres muss nicht sein, will man Thomas Nussbaum, dem Mediensprecher von Entsorgung + Recycling Zürich, Glauben schenken. Die Installation von bisher rund 400 UFC-Anlagen in der Stadt Zürich habe es ermöglicht, «die aufgrund des Bevölkerungswachstums höheren Abfallmengen mit dem bestehenden Personalbestand aufzufangen und der Bevölkerung zugleich mehr Komfort zu bieten».

Die Kosten für die durch den Grundeigentümer finanzierte Unterfluranlage übertreffen jene der herkömmlichen Rollcontainer. Nussbaum führt aus: «Die Beschaffung eines Unterflurcontainers für Hauskehricht kostet rund 10000 Franken, der Einbau circa 25000 Franken, je nach Bodenbeschaffenheit, vorhandenen Leitungen und so weiter.» Zehn Rollcontainer mit dem insgesamt gleichen Fassungsvermögen würden rund 2000 Franken kosten.

Zehnfaches Volumen

Eine Unterfluranlage für Züri-Säcke, die Zürcher Gebührensäcke für den Hauskehricht, fasst das zehnfache Volumen eines gängigen 770-Liter-Rollcontainers. «Für die Leerung von Unterfluranlagen werden nur zwei Personen benötigt, während zur Leerung von Rollcontainern drei Personen erforderlich sind», führt Thomas Nussbaum aus. Unterfluranlagen brächten zudem logistische Vorteile mit sich. Für alle, die verdichtet bauen wollten, sei dies kein unwesentliches Argument.

80 Einsprachen werden nun geprüft. «Diese Zahl ist noch nicht abschliessend, da erfahrungsgemäss auch in den nächsten Tagen noch Einsprachen bei uns eintreffen werden – beispielsweise dann, wenn Einsprachen an eine nicht zuständige Stelle geschickt wurden und nun an uns weitergeleitet werden», so Nicole Ryf. Das Bau- und Verkehrsdepartement vertritt weiterhin die Ansicht, die Interpretation des Abstimmungsresultates vom 15. Juni 2015 sei nicht eindeutig. Ein Nein zur Vorlage könne heissen, dass Unterflurcontainer nicht gewünscht werden, oder «ganz im Gegenteil», dass überall Unterflurcontainer gewünscht werden.