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«Natur bedroht»Anthroposophen verlangen auch Baustopp für Überbauung «La Colline»

Zwei Gutachten bringen die Anthroposophische Gesellschaft nach anfänglichem Schweigen dazu, sich gegen das Bauprojekt in Arlesheim auszusprechen.

Leuchtender Protest: Am vergangenen Samstag fand in Arlesheim eine Kundgebung gegen die Überbauung «La Colline» statt. Gefordert wird ein erneuter Baustopp.
Leuchtender Protest: Am vergangenen Samstag fand in Arlesheim eine Kundgebung gegen die Überbauung «La Colline» statt. Gefordert wird ein erneuter Baustopp.
Foto: Christian Jaeggi

Wer am Samstagabend in den Himmel über Dornach und Arlesheim blickte, sah einen Schwarm aus 100 Himmelslaternen leuchten. Die Aktion schloss das bislang letzte Kapitel im Kampf von Naturschützern für das Naturschutzgebiet Schwinbach-Aue in Arlesheim ab. Sie sehen das Naturschutzgebiet mit Arten auf der Roten Liste durch das Bauprojekt «La Colline» gefährdet. Nun schaltet sich auch das bis vor kurzem stumme Goetheanum ein und verlangt einen sofortigen Baustopp.

Hoffnung liegt bei der Gemeinde

Vor allem die 200 Meter lange Tiefgarage, welche die Steiner AG bauen will, kappe den Zufluss aus drei Quellen, die ganzjährig zwölf Grad warmes Wasser führten. «Wir appellieren mit dieser Kundgebung einerseits an die Bauherrschaft und andererseits an die Gemeinde Arlesheim, dass die Bautätigkeit sofort aufhört, bis der Bundesgerichtsentscheid gefällt wurde, ob bei der Baubewilligung etwas schiefgelaufen ist oder nicht», verbreitete Felix Lindenmaier durchs Megafon.

Für die Protestaktion vom Samstag motivierte der pensionierter Dozent der Musikakademie auch Vertreterinnen und Vertreter der anthroposophischen Bewegung.

120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten dem Aufruf und versammelten sich auf dem Arlesheimer Domplatz. Sie kamen mit Glocken, zogen mit Kerzen zum Naturschutzgebiet und entliessen die Himmelslaternen auf dem Areal des Goetheanum. «Wo wir noch nicht desillusioniert sind, noch eine gewisse Hoffnung haben, ist bei der Gemeinde», sagte Lindenmaier. Begleitet wurde die Lichterkette und das Steigenlassen der Himmelslaternen von Heidi Gürtler am Akkordeon.

«Ein Fait accompli schaffen»

Der Fall ist immer noch vor Bundesgericht hängig. Das Gericht verfügte einen Baustopp, den es inzwischen wieder aufgehoben hat. Dies geschah laut Lindenmaier, weil die Bauherrschaft argumentiert habe, es gebe gar kein Schutzgebiet mehr. Was falsch sei. Die Bauherrschaft «will ein Fait accompli schaffen», zeigte er sich überzeugt.

Die Bauherrschaft habe dem Goetheanum, Besitzer des Feuchtgebietes, versprochen, dafür zu sorgen, dass es erhalten bleibe, was gemäss den Zonenreglements Siedlung auch Pflicht sei, führte Lindenmaier am Samstag aus. Dies bestätigte Wolfgang Held, Sprecher der Anthroposophische Gesellschaft, gegenüber dem «Regionaljournal» Aargau-Solothurn bereits einige Tage zuvor: «Das ist von Anfang an zugesichert worden.»

Er erklärte, wieso er und die Anthroposophische Gesellschaft sich erst jetzt zu Wort melden: «Es sind die beiden letzten Gutachten, die uns alarmiert haben.» Damit spricht er das Gutachten von Michael Zemp und jenes des Biologen Markus Ritter an. Ersterer war bis September 2015 Leiter der Kantonalen Fachstelle für Natur- und Landschaftsschutz Basel-Stadt, Letzterer ehemaliger Basler Grossratspräsident und Co-Autor des Basler Naturatlas. Beide stützen den Standpunkt der Naturschützer stark, darunter die Initiative Natur- und Kulturraum Dornach Arlesheim.

Naturinventar unproblematisch

An der Kundgebung zumindest kurzfristig anwesend war Arlesheims Gemeindepräsident Markus Eigenmann. Von ihm und dem Gemeinderat verlangen die Demonstranten ebenso den Baustopp wie von der Steiner AG. Gegenüber der «Basler Zeitung» bemerkte Eigenmann, dass der früher kolportierte Zusammenhang zwischen dem Naturinventar, das der Hintermann & Weber AG in Auftrag gegeben worden war, und Gemeinderat Felix Berchten von der Frischluft-Partei ein zufälliger sei.

Als die Firma, deren Verwaltungsratspräsident und Mitinhaber Berchten ist, den Auftrag ausführte, sei dieser noch nicht im Gemeinderat gesessen. Und seither arbeite die Hintermann & Weber AG nicht mehr für die Gemeinde. Felix Berchten sei sogar ein Gegner des Projekts gewesen.

Das Bundesgericht selbst habe zuletzt einen Formfehler begangen, erwähnte Felix Lindenmaier an der Kundgebung. «Es hat nur die Bauherrschaft angehört und nicht auch die Gegenseite.» Dies wäre die Helvetia Nostra, eine Schwesterorganisation der Fondation Franz Weber. Sie klagt vor Bundesgericht, an das sich jetzt auch das Goetheanum wandte. Dass «La Colline» zu nahe an das unter Kulturgüterschutz stehende Goetheanum gebaut werde, war am Samstag kein Thema.

28 Kommentare
    Pierre Pertuis

    Zu den Kommentaren.

    100 Jahre nach dem berüchtigten Arlesheimer Pfarrer Flury, gibt es immer noch so viel Hass auf die Anthroposophen. Warum?