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Oppositionelle in WeissrusslandAnklage gegen Kolesnikowa erhoben

Der Oppositionellen drohen in Weissrussland bis zu fünf Jahre Gefängnis

Trotz internationaler Proteste sitzt die 38-jährige Maria Kolesnikowa seit mehr als einer Woche in Untersuchungshaft.
Trotz internationaler Proteste sitzt die 38-jährige Maria Kolesnikowa seit mehr als einer Woche in Untersuchungshaft.
Foto: Sergei Bobylev (Getty Images)

Durch Drohungen sind sie die Oppositionsführerin Maria Kolesnikowa nicht losgeworden, nun versuchen es die weissrussischen Behörden mit einem Strafverfahren: Sie werfen der 38-Jährigen vor, die nationale Sicherheit gefährdet zu haben. Kolesnikowa habe im Internet zu entsprechenden Aktionen aufgerufen, hiess es in der Mitteilung des weissrussischen Untersuchungsausschusses. Ihr drohen zwischen zwei und fünf Jahren Gefängnis.

Zerrissener Pass

Vor zehn Tagen hatten Unbekannte die Oppositionelle im Minsker Zentrum aufgegriffen und in einen Kleinbus gezerrt. Ihre Mitarbeiter wussten über Stunden nicht, wo sie war. Später wurde bekannt, dass der Geheimdienst sie zwingen wollte, Weissrussland zu verlassen. Als Kolesnikowa sich weigerte, brachte man sie gegen ihren Willen zur ukrainischen Grenze. Kurz bevor sie ausgewiesen werden konnte, zerriss sie ihren Pass. Sie landete in Untersuchungshaft in Minsk. Mittlerweile wurde sie nach Schodsina östlich der Hauptstadt verlegt.

Man drohte ihr an, sie «lebendig oder in Stücken» ausser Landes zu bringen.

Drei Tage nach der Verschleppung erklärte Kolesnikowas Anwältin, ihre Mandantin werde Anzeige gegen Mitarbeiter von Geheimdienst und Innenministerium erstatten, unter anderem wegen Morddrohung. Man habe sie entführt und ihr angedroht, sie «lebendig oder in Stücken» ausser Landes zu bringen.

Kolesnikowa mit Blutergüssen

Gewaltandrohungen weissrussischer Sicherheitsbehörden sind durchaus ernst zu nehmen: Im August waren Hunderte Demonstrierende festgenommen und in Haftanstalten misshandelt worden. Am Mittwoch veröffentlichte die Kriminalpolizei Zahlen dazu: Mehr als 2000 Anzeigen seien eingegangen, die Betroffenen berichteten von brutalen Festnahmen, Prügel und Folter. Auch Kolesnikowa trug laut ihrer Anwältin zahlreiche Blutergüsse und Quetschungen davon.

Kolesnikowa ist Mitglied im Präsidium des neuen Koordinierungsrates der Opposition. Mit diesem Gremium möchte die Demokratiebewegung um die Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja neue Wahlen erreichen. Lukaschenko hatte den Rat im August als verfassungswidrig bezeichnet. Er warnte die leitenden Mitglieder, dass er «einige Hitzköpfe abkühlen» werde.

2 Kommentare
    Karl Steinbrenner

    Hoffentlich kommt Maria Kolesnikowa psychisch und physisch einigermassen unbeschadet aus dieser widerlichen Geschichte und dem Schauprozess heraus.

    Hoffentlich ist es auch möglich, genügend Druck aus dem Ausland aufzubauen, um die schlimmsten Folgen abzuwenden, sowohl für Kolesnikowa selbst als auch für die anderen Opfer staatlicher Willkür und Repressalien dieses üblen Schergenstaates und seines Diktators.