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Einwohnerrat AllschwilAngst vor Verkehrslawine im Bachgrabengebiet

Die Grünen setzen durch, dass der Anteil der Autos im Quartierplan Indorsia gesenkt wird. Ab 2030 darf er nur noch 43 Prozent betragen.

Weil sich immer mehr Firmen im Bachgrabengebiet ansiedeln, nimmt der Verkehr stark zu.
Weil sich immer mehr Firmen im Bachgrabengebiet ansiedeln, nimmt der Verkehr stark zu.
Foto: Florian Bärtschiger

Die in Allschwil ansässige Life-Science-Firma Idorsia will ausbauen. Das bestehende Labor- und Bürogebäude im Bachgrabengebiet soll aufgestockt werden. Dazu soll ein 40 Meter hoher Neubau kommen.
Im Zentrum der Einwohnerratsdebatte am Mittwoch über den Quartierplan Idorsia standen die für Allschwil tagtäglich spürbaren Folgen eines Ausbaus.

Da viele der neuen Mitarbeitenden aus der elsässischen und deutschen Nachbarschaft kämen, sei zu befürchten, dass vor allem der Autoverkehr zunehme, hiess es. Mehrere Votanten forderten, dass der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) stärker und vor allem schneller gesenkt werden müsse, als es im Mobilitätskonzept von Idorsia vorgesehen ist. Zudem sei dies im Quartierplanreglement zu verankern.

Henry Vogt (SVP) formulierte es so: «Es gibt nur eine Lösung: weniger Autos.» Bis 2030 soll der MIV-Anteil von heute 65 auf 30 Prozent reduziert werden. Die SVP überholte mit diesem Antrag selbst die Grünen, welche beantragten, den MIV-Anteil bis 2030 auf 43 Prozent zu senken. Der Gemeinderat hielt am ursprünglichen Vorhaben fest, den MIV-Anteil von heute 65 auf 58 Prozent im Jahr 2030 und dann bis 2045 auf 43 Prozent zu reduzieren. Bereits das sei ein sportliches Ziel, betonte Gemeinderat Christoph Morat. 30 Prozent bis 2030 seien eine Illusion. Das von Idorsia präsentierte Mobilitätskonzept sei eines der besten, die je im Kanton Baselland abgegeben worden seien.

Steuer-Argument

Morat plädierte eindringlich für eine Lösung, die für alle Beteiligten tragfähig sei und den Investor nicht vergräme. Dieser Argumentation hielten vor allem die Grünen grundsätzliche Bedenken entgegen. «Was ist unser Nutzen, wenn wir ein Standort von Weltruf sind?» fragte etwa Rita Urscheler. Darauf antworteten gleich zwei Gemeinderäte mit dem Hinweis auf die Steuern juristischer Personen. Die ehemalige Actelion sei einer der wichtigsten Steuerzahlerinnen der Gemeinde, sagte Christoph Morat. Dank der Einnahmen aus den Steuern juristischer Personen könne sich Allschwil Investitionen wie etwa die Neugestaltung des Hegenheimermattwegs leisten. Und Finanzminister Franz Vogt hielt fest, dass der Ertrag aus Steuern juristischer Personen in Allschwil über dem kantonalen Durchschnitt liege.

In der Abstimmung setzte sich dann der Antrag der Grünen durch. Damit schreibt das Quartierplanreglement vor, dass bereits 2030 der MIV-Anteil nur noch 43 Prozent betragen darf. Der vom Einwohnerrat genehmigte Quartierplan ist noch nicht ganz unter Dach und Fach: Er untersteht dem fakultativen Referendum.

Analyse zum Lindenplatz-Nein

Die Folgen eines Referendums waren das zweite grosse Thema der Einwohnerratssitzung. Am 27. September sagte das Stimmvolk Nein zur Neugestaltung des Lindenplatzes. Wie weiter? Die Fraktionen der CVP, der FDP, der SP und der SVP möchten die Gründe für die empfindliche Niederlage in einer Nachabstimmungs-Analyse ermitteln lassen und haben dazu eine dringliche Motion eingereicht. Mit 28 Ja-Stimmen gegen 7 Nein-Stimmen hat der Einwohnerrat den Vorstoss nach kurzer Diskussion überwiesen.

10 Kommentare
    M. Seiler

    Wenn schon auf die Elsässer als Teil des Problems hingewiesen wird, dann könnte auch eine Lösung, wie sie z.B. bei Peugeot Mulhouse u.a. seit Jahrzehnten praktiziert wird, angedacht werden; kostenlose Sammelbusse jeweils auch für Dörfer ohne Anschluss an den ÖV, die nicht nur MA einer einzigen Firma befördern, sondern eines ganzen Industriegebietes mit verschiedenen Haltestellen. Dies hat v.a. im Winter den Vorteil, dass die MA aus dem Sundgau, wo es Gebiete mit dürftigem Winterdienst gibt, überhaupt zur Arbeit kommen können.