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An der Spitze entscheiden Strategie und Qualität

Die Baselworld der Messe, die weltweit wichtigste Uhren- und Schmuckmesse Baselworld, erbringt etwa ein Drittel des Umsatzes der Messe Schweiz. Und die Messe steht im internationalen Wettbewewerb.

Peter Ottmann hält sich mit seiner Hochachtung nicht zurück. Die Organisation sei «hervorragend und gründlich», das Management «besonders dynamisch» und die Strategie «ausgesprochen klug». René Kamm, Konzernchef der Messe Schweiz, wirds freuen: Denn Ottmann, Geschäftsleitungsmitglied der NürnbergMesse, spricht von Kamms Messe Schweiz (MCH).

Die Zahlen zeigen, dass Ottmanns Komplimente mehr als Bauchpinseln sind: Die grösste schweizerische Messegesellschaft erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Rekordertrag von rund 339 Millionen Franken (+55 Prozent) und einen Reingewinn von fast 46 Millionen (+231 Prozent). Der Deutsche mag nicht nur loben: Vergleichbar mit Hannover, bis vor der Pariser Messefusion der grösste Ausstellungsplatz der Welt, sei das Handicap der MCH das Klumpenrisiko. In Hannover tragen die Industriemesse und die Cebit über zwei Drittel zum Erfolg bei, in Basel sind es Baselworld und Art Basel: Das Flaggschiff, die weltweit wichtigste Uhren- und Schmuckmesse Baselworld, erbringt etwa ein Drittel des MCH-Umsatzes.

Eine Studie der BAK Basel Economics vom vergangenen Jahr beziffert die Wertschöpfung eben dieser Messe auf rund zwei Milliarden Franken. Hätte die MCH mit der Baselworld und der Art nicht diese beiden Leitmessen im Portfolio, so könnten zahlreiche der anderen rund 40 Eigen- und Gastmessen nicht stattfinden. Für Peter Ottmann ist es deshalb nachvollziehbar, dass Messechef Kamm und seine Crew auf Diversifikation setzen. Einerseits. Und dass mit dem geplanten Ausbau «Messe 2012» andererseits alles daran gesetzt wird, in die Qualität zu investieren.

Deutschland vorn

Mit Blick auf die internationale Entwicklung wird die Basler Vorwärtsstrategie zur Überlebensstrategie. Allein in den angrenzenden Ländern werden jährlich Hunderte von Millionen Euro in die Erweiterung und Modernisierung der Ausstellungskapazitäten investiert. Beispiel Frankreich: Der Messeplatz Paris Nord Villepinte soll in den kommenden Jahren von aktuell 210 000 um 135 000 Quadratmeter erweitert werden.

Und die Franzosen rüsten weiter auf: Kürzlich hat die nationale Wettbewerbsbehörde grünes Licht zur Fusion von Paris Nord Villepinte und der einstigen Konkurrenz Paris Expo und dem dazugehörenden Veranstalter Exposium gegeben. Entstanden ist die nach Fläche grösste Messegesellschaft der Welt. Punkto Umsatz (560 Millionen Euro) liegt der neue Riese direkt hinter dem weltweit tätigen niederländisch-britischen Branchenführer Reed Exhibitions mit 842 Millionen Euro (2007).

Der französische Effort kann aber vorerst nicht an der Tatsache rütteln, dass die Messenation Nummer eins Deutschland heisst. Hier finden zwei Drittel der etwa 150 globalen Leitmessen statt. Und von den zehn grössten Messegesellschaften weltweit ist die Hälfte in Deutschland beheimatet. 24 Messeplätze verfügen zusammen über eine Hallenfläche von zirka 2,7 Millionen Quadratmetern. Jedes Jahr sorgen die Aussteller und Besucher für einen Umsatz von über zehn Milliarden Euro.

Um die Leaderrolle nicht abgeben zu müssen, setzen die deutschen Messestrategen auf Expansion. Gemäss Peter Ottmann funktioniert dies einerseits mit Kooperationen innerhalb und ausserhalb der Landesgrenzen, andererseits mit dem Aufbau von eigenen Messen zum Beispiel in Asien oder den USA. Die Deutsche Messe AG in Hannover, die grösste des Landes, arbeitet in Brasilien, Russland, Indien, China und mit der Mailänder Messe zusammen. Und die NürnbergMesse etabliert in Schanghai einen Ableger. Doch auch im alten Europa wandelt sich die Szene rasant. In Madrid, Barcelona und Valencia, in Mailand, Rom und Verona werden neue Gelände aus dem Boden gestampft.

Asien holt auf

Nach Angaben von Peter Ottmann sind es die sogenannten Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China), die einen grösseren Anteil am globalen Messewesen anstreben. Mit einer Ausstellungsfläche von über 2,3 Millionen Quadratmetern reicht das Reich der Mitte schon bald an die Kapazität deutscher Standorte heran. Damit verfügt China über fast zwei Drittel der asiatischen Messeflächen. Asiatischer Champion ist unangefochten Hongkong.

Ambitionen haben jedoch auch die Inder, derzeit zum Beispiel in Bangalore. Und das Emirat Dubai möchte in den nächsten Jahren erklärtermassen zu einem der grössten internationalen Messeplätze aufsteigen. Die Scheichs investieren dazu die Kleinigkeit von 2,2 Milliarden Dollar in das neue Messegelände Dubai Exhibition World, direkt neben dem voraussichtlich grössten Flughafen der Welt gelegen.

Abgesehen von den enormen Summen, die in die Messeinfrastruktur gesteckt werden, gibt es zwischen Dubai oder Schanghai und Basel noch einen anderen, aber nicht zu unterschätzenden Unterschied: Die Bevölkerung dort wird nicht um ihre Meinung gebeten.

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