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Sex als TouristenattraktionAmsterdam schliesst seine Rotlichtfenster

Die Sexarbeiterinnen werden aus dem Zentrum verbannt, was der niederländischen Stadt zu einem neuen Image verhelfen soll.

Prostitution als Touristenattraktion: Sexarbeiterinnen im Rotlichtviertel von Amsterdam.
Prostitution als Touristenattraktion: Sexarbeiterinnen im Rotlichtviertel von Amsterdam.
Foto: Horacio Villalobos (Corbis via Getty Images)

Amsterdam will seine Rotlichtfenster im Stadtzentrum schliessen. Der Gemeinderat hat einem entsprechenden Vorschlag der grünen Bürgermeisterin Femke Halsema zugestimmt. Die Sexarbeiterinnen sollen in ein Erotikzentrum ausserhalb der Innenstadt ziehen, das speziell zu diesem Zweck gebaut wird. Wo das sein wird, ist noch nicht entschieden. Mögliche Standorte seien ArenAPoort im Südosten, Gebiete um Sloterdijk in Nieuw-West und Hamerkwartier im Norden. «Unser Ziel ist es, eine sichere Umgebung für Prostituierte zu schaffen und die umliegenden Viertel so wenig wie möglich zu belasten», sagt Halsema.

Sie begründet den Schritt damit, dass die Prostituierten zu einer Touristenattraktion geworden seien, die Gaffer anlocke. Die Tausenden von Schaulustigen in den engen Gassen des Rotlichtviertels De Wallen sorgen bei Bewohnern, der Stadtverwaltung, aber auch bei den betroffenen Frauen für Ärger. Dass sie dabei im Handyzeitalter gefilmt oder geknipst werden, ist für das Geschäft, das eigentlich diskret ablaufen soll, nicht gerade förderlich. Laut einer älteren Umfrage wollen allerdings 90 Prozent von 170 befragten weiblichen Sexarbeiterinnen ihre Dienste weiterhin in den Fenstern anbieten.

Aufgrund der Corona-Massnahmen dürfen die Prostituierten derzeit allerdings gar nicht arbeiten. Die Niederlande sind im Lockdown, Schulen, Restaurants und die meisten Geschäfte sind geschlossen. Seit Ende Januar gilt zudem eine Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und 4.30 Uhr. Die fehlende Arbeit hat viele der Prostituierten dazu bewogen, die Stadt zu verlassen. «80 Prozent der Sexarbeiterinnen sind ausländischer Herkunft», sagt Halsema. Wie viele letztendlich zurückkehren würden, sei unklar.

Kein Hasch mehr für Touristen

Weitere Reformen – weniger Coffeeshops und weniger Massentourismus im historischen Kern – sollen das Image der Stadt verändern. Das soll Qualitätstouristen anziehen. Man wolle mehr Familien, Museumsbesucher und Feinschmecker und weniger Cannabis- und Sextouristen, schreibt die niederländische Zeitung «Het Parool». Es gehe um einen Neustart von Amsterdam als Reiseziel, argumentieren Politiker.

Deshalb sollen Touristen bald auch kein Gras und Hasch mehr kaufen dürfen. Nur Niederländer erhielten künftig noch Einlass in die Drogenverkaufsstellen, in denen man auch Kaffee trinken kann. Dieser Vorschlag der Bürgermeisterin wird von Polizei, Justiz und vielen Bürgern unterstützt. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die davor warnen, dass sich der Drogenhandel dann auf die Strassen verlagere. So habe der Handel mit harten Drogen in den letzten Jahren zugenommen. Halsema erwartet, dass der Strassenhandel langfristig zurückgehen wird, wenn die Drogentouristen der Stadt den Rücken kehren, weil sie in den Cafés nicht mehr willkommen sind. Sie hat weitere Untersuchungen zu den Auswirkungen des Cannabisverbots für Touristen versprochen. Über die Reform wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden.

ij

32 Kommentare
    G. Gehler

    man könnte die innenstadt aufwerten und damit mehr touristen aus asien anlocken. allerdings sollte man nur noch gutverdienende und wenn möglich gutaussehende in der innenstadt wohnen lassen. museal soll es werden. mieten rauf!