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Barack Obama«Beim TV schauen twittern löst keine Probleme»

Der frühere US-Präsident Barack Obama wirft Amtsinhaber Donald Trump Versagen beim Kampf gegen die Corona-Pandemie vor.

Zwei Wochen vor der Wahl hat der frühere US-Präsident ins Geschehen eingegriffen: Barack Obama in Philadelphia. (21. Oktober 2020)
Zwei Wochen vor der Wahl hat der frühere US-Präsident ins Geschehen eingegriffen: Barack Obama in Philadelphia. (21. Oktober 2020)
Reuters/Kevin Lamarque
Trump habe die Pandemie ignoriert und dann mit «Inkompetenz», «Falschinformationen» und Planlosigkeit alles noch schlimmer gemacht, sagt Obama.
Trump habe die Pandemie ignoriert und dann mit «Inkompetenz», «Falschinformationen» und Planlosigkeit alles noch schlimmer gemacht, sagt Obama.
Keystone
«Wir befinden uns in einem tiefen Loch», sagt Obama.
«Wir befinden uns in einem tiefen Loch», sagt Obama.
Reuters/Kevin Lamarque
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Der frühere US-Präsident Barack Obama hat seinem Nachfolger Donald Trump in drastischen Worten Versagen bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie vorgeworfen. Trump habe die Pandemie ignoriert und dann mit «Inkompetenz», «Falschinformationen» und Planlosigkeit alles noch schlimmer gemacht, sagte der Demokrat am Mittwoch bei einer Wahlkampfveranstaltung. Viele Menschen in den USA hätten nicht sterben müssen, wenn die Regierung auch nur «grundlegende» Massnahmen ergriffen hätte, sagte Obama. Der Vergleich mit anderen Ländern wie Südkorea oder Kanada zeige, dass die Zahl der Corona-Toten deutlich geringer hätte ausfallen können.

Trump habe «kein Interesse gezeigt», den Menschen in Amerika zu helfen und das Präsidentenamt nur als «Reality Show» genutzt, kritisierte Obama. Der Republikaner sei nicht fähig, «den Job ernst zu nehmen», sagte der Ex-Präsident. «Und der Rest von uns muss mit den Konsequenzen leben.» Obamas Fazit: «Wenn er die ganze Zeit seinen Job gemacht hätte, dann wäre es nie so schlimm geworden.»

Die beiden Auftritte in der Stadt Philadelphia im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania waren Obamas erste grosse Wahlkampfveranstaltungen für seinen früheren Vizepräsidenten Joe Biden, der am 3. November gegen Trump antritt.

«Twittern löst kein Problem»

«Die Pandemie wäre für jeden Präsidenten schwierig gewesen», räumte Obama ein. Das «Ausmass der Inkompetenz und der Falschinformationen» seitens der Regierung habe die Situation aber weiter verschlimmert. «Die Idee, dass dieses Weisse Haus irgendetwas anderes getan hat, als es komplett zu vermasseln, das stimmt einfach nicht», sagte Obama. Südkorea und die USA hätten am gleichen Tag die erste bestätigte Infektion gehabt, aber die US-Regierung habe nicht gehandelt. «Am Fernseher twittern oder Sachen erfinden löst keine Probleme», sagte Obama weiter. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Biden die Lage in den Griff bekommen werde. «Das heisst nicht, dass alles schon morgen gelöst sein wird. Wir werden immer noch zu kämpfen haben, aber ich weiss, dass wir es besser machen können», sagte er.

Obama hatte sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt – wie üblich bei ehemaligen US-Präsidenten – mit öffentlicher Kritik an seinem Nachfolger zurückgehalten. Erst seit Mai, als der Afroamerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam und Menschen im ganzen Land gegen Rassismus und Polizeigewalt protestierten, hat sich Obama wieder vermehrt zu Wort gemeldet. Seine beissende Kritik an Trump in Philadelphia – pünktlich zum Endspurt des Wahlkampfes – stellt aber eine deutliche Verschärfung seiner Tonlage dar.

Daten der Universität Johns Hopkins zufolge gibt es in den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, bislang gut 8,3 Millionen bestätigte Coronavirus-Infektionen. Die Zahl der Neuinfektionen stieg zuletzt wieder auf gut 50’000 pro Tag an. Mehr als 221’000 Menschen starben bislang – mehr als in jedem anderen Land der Welt.

Obama wirbt für Trumps Abwahl

In den USA starben diesen Daten zufolge pro 100’000 Einwohner bislang 68 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Das entspricht in etwa der Rate in Grossbritannien (66) und in Spanien (73). In anderen Ländern ergab sich jedoch eine deutlich geringere Sterblichkeitsrate. In Kanada starben pro 100’000 Einwohnern 27 Menschen, in Deutschland 12 und in Südkorea nur einer.

Trump behauptet, durch sein Management der Pandemie inklusive der Einreisesperren für Menschen aus China und Europa womöglich Millionen weitere Todesfälle verhindert zu haben. Biden wirft ihm dagegen Versagen in der Corona-Krise vor und beschuldigt Trump, für den Tod Zehntausender US-Bürger verantwortlich zu sein.

Trump infizierte sich zu Monatsbeginn selbst mit dem Coronavirus und wurde wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt. Nach seiner Rückkehr ins Weisse Haus rief der Präsident die Amerikaner dazu auf, «keine Angst» vor dem Virus zu haben und versprach erneut ein baldiges Ende der Pandemie. Obama erklärte dazu: «Donald Trump wird uns nicht plötzlich alle beschützen. Er kann nicht mal die grundlegenden Schritte machen, um sich selbst zu beschützen.»

Obama warb mit Nachdruck dafür, Trump abzuwählen. Falls dieser die Wahl erneut gewinnen sollte, würde das Land in den nächsten vier Jahren so weit zurückgeworfen, dass es «wirklich schwierig» würde, «sich aus diesem Loch wieder zu befreien», sagte Obama. «Wir befinden uns in einem tiefen Loch.»

SDA/chk

34 Kommentare
    Burkard Markus

    Wenn man sich die Mühe macht, aus zwei Listen, nämlich der Todesfallszahlen der Länder (Quelle: John Hopkinsuniversität) mit der Bevölkerung der jeweiligen Länder (Quelle: Wikipedia) auszurechnen, das heisst Anzahl Tote/Population, kommt man zu folgendem Schluss: Die Bilanz sieht ähnlich aus, ob Italien, Frankreich, Spanien, Schweden, England, Brasilien ... zwischen 0.5 (Braslien, Spanien) bis 0.75 Tote (Frankreich) pro 1000 Einwohner. Wer wirklich besser dasteht, das ist Deutschland 0.12 Tote/1000 Ew. und die dahinter die Schweiz 0.25 Tote/1000 Ew. Wie alle wissen, waren die Massnahmen unterschiedlich von sehr lasch (Schweden) bis rigoros (Spanien). Der Donald ist in der Sache sicher nicht hilfreich. Trotzdem ist es absolut unseriös, die USA als besonders negatives Beispiel zu brandmarken. Tatsache ist: Das Hauptrisiko an Covid zu versterben oder schwer zu erkranken ist 1. das Alter 2. Vorerkrankungen. Die USA ist der westlichen Hemisphäre die fettleibigste Nation. Adipositas = gesteigertes Diabetesrisiko = Gefässschaden (Endothel). Auch relevant bei Covid-19. Dazu: Indien mit einer Bevölkerung von 1.4 Mrd. hat eine Todesrate von ... weniger als 0.08. Die geringste hat im übrigen natürlich China. Wegen der rigorosen Massnahmen, vor allem dem Reisestop und der Abriegelung. Versagt hat in diesem Punkt im übrigen ganz Europa und die USA zusammen. Alle.

    Das was Obama hier gerade macht, ist leider nichts anderes als Populismus.