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Präsenzunterricht in beiden BaselAbweichende Marschrouten verwirren die Schüler

Gymnasiasten, Berufs- und Fachschüler im ganzen Land dürfen im Juni den Unterricht wieder besuchen. In Basel-Stadt gehen viele Schulen wieder auf, im Baselbiet geht man die Lockerungen scheinbar langsamer an.

Die Corona-Krise bereitete den Schülern mehrmals Kopfzerbrechen.
Die Corona-Krise bereitete den Schülern mehrmals Kopfzerbrechen.
Foto: VQH (Symbolbild)

Baselland und Basel-Stadt gehen wieder einmal unterschiedliche Wege. Zumindest erweckt es den Anschein. Nachdem die Bundesregierung letzten Mittwoch das Präsenzunterrichtsverbot an den Schweizer Berufs- und Mittelschulen aufgehoben hat, haben die beiden Kantone am Tag darauf ihre Vorgehensweisen der Bevölkerung aufgezeigt: In Basel kehren ein Grossteil der Schüler von Gymnasien, Fach- und Berufsschulen am 8. Juni wieder zu ihren Bänken zurück. Im Baselbiet nicht.

Wie Fabienne Romanens, Mediensprecherin der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion, erklärt, lassen die Raumverhältnisse an den Mittelschulen den vorgeschriebenen Mindestabstand von zwei Metern – der weiterhin eingehalten werden muss – mehrheitlich nicht zu. «In den meisten Schulen ist kein Regelunterricht vor Ort möglich.» Das Schuljahr werde daher im bekannten Muster, das sich in den letzten drei Monaten eingespielt habe, abgeschlossen.

Verwirrung bei den Hauptprotagonisten

Viele Schüler in der gesamten Region sind irritiert. Und das seit Wochen. Das Thema Abschlussprüfungen als Paradebeispiel: Ein mühseliges Hin und Her, bei dem die Betroffenen lange nicht zu Wort gekommen sind. Schliesslich haben beide Basel am selben Strang gezogen und die Schlussexamen nicht durchgeführt. Jetzt herrscht wieder Aufregung.

Die abweichenden Vorgehensweisen stossen viele Schüler vor den Kopf: «Ich bevorzuge den Weg, den das Baselbiet eingeschlagen hat», sagt zum Beispiel Cristian Wagner, der das Basler Wirtschaftsgymnasium besucht. Für ihn ist es unverständlich, dass die beiden Kantone nicht einheitlich agiert haben. Bis zu den Sommerferien verblieben sowieso nur noch wenige Wochen. «In der Stadt macht es keinen Sinn, für diese Zeit ein Schutzkonzept zu definieren.»

Auch im Baselbiet tönt es ähnlich: «Wir sehen zwischen den beiden Kantonen keinen solch grossen Unterschied wie etwa die Politik», sagt Fynn von Planta vom Gymnasium Oberwil. Die jetzige Situation sei wieder einmal verwirrend. Die Schüler hätten nach den abgesagten Abschlussprüfungen gedacht, das «ganze Theater» – das vor allem die Sekundarstufe 2 zu ertragen habe – sei beendet. «Schade, aber wir haben keine andere Wahl, als zu gehorchen.»

Die letzten Monate haben gezeigt, dass wir bezüglich digitalen Unterrichts auf einem guten Weg und vielleicht weiter als andere Kantone sind.

Marc Rohner, Leiter Mittelschulen Kanton Baselland

Obwohl sich das Coronavirus in beiden Kantonen beinahe identisch entwickelt hat und die Neuinfektionen seit Wochen tief sind, scheint es, als fahre der Stadtkanton im Bildungswesen die mutigere Schiene. Marc Rohner, Leiter der Mittelschulen Baselland, entgegnet: «Beide Kantone gehen grundsätzlich vom selben aus.» Der Bildungsauftrag müsse weiterhin bestmöglich umgesetzt werden.

Auch im Baselbiet wolle man wieder vermehrt auf Präsenzunterricht setzen. Längerfristig mache es vorerst aber Sinn, mit den bekannten Methoden weiterzufahren. «Die letzten Monate haben gezeigt, dass wir bezüglich digitalen Unterrichts auf einem guten Weg und vielleicht weiter als andere Kantone sind. Deshalb konnte Baselland auch relativ schnell vom Präsenzunterricht in den Fernunterricht wechseln.»

Hat das Baselbiet kleinere Klassenzimmer?

Die Klassen abwechslungsweise in grösseren Räumen zu unterrichten, ginge auf Kosten anderer Unterrichtsstunden. Das wolle man verhindern. Die Schüler sollen sich jedoch keine Sorgen machen. «Die Schulleitungen organisieren derzeit die letzten drei Unterrichtswochen und werden die Schüler nach Pfingsten genauer informieren», verspricht Rohner und weist darauf hin, dass der soziale Kontakt und das gemeinsame Miteinander hohe Priorität haben.

Auch das Basler Erziehungsdepartement will die Unklarheiten berichtigen: «Einheitliche Lösungen sind wenn möglich immer eine gute Sache», sagt Mediensprecher Simon Thiriet. Aber: «Im aktuellen Fall ist zu beachten, dass vor allem die räumlichen Gegebenheiten völlig unterschiedlich sind.» Im Vergleich habe die Stadt mehr Standorte mit grossen Räumen. Aber auch im Kanton Basel-Stadt gebe es Klassenzimmer, bei denen die Vorsichtsmassnahmen nicht umsetzbar seien. Dann setze man auf Mischformen zwischen distanziertem Lernen und dem Präsenzunterricht, sagt Thiriet. «Ausschlaggebend sind halt immer noch die Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit, die einen Sicherheitsabstand vorschreiben.»