«Ab und zu denke ich: Das ist doch sinnlos»

Drei Wochen vor dem Saisonstart redet Lara Gut-Behrami über Momente des Zweifelns und die Pläne mit Ehemann Valon.

Lara Gut-Behrami erklärt, warum sie viel Riesenslalom trainiert hat. Video: Tamedia
René Hauri@tagesanzeiger

Es ist normal geworden um Lara Gut-Behrami. Es gibt an diesem Freitagmittag keine Inszenierung, kein Scheinwerferlicht, keine Einleitung einer Pressebetreuerin, kein Filmchen auf einem übergrossen Bildschirm. Sie sitzt in einem kahlen Raum in der Dübendorfer Industrie an einem Tisch und beantwortet Fragen – wie das alle Athleten vor ihr taten am Medientag des Schweizer Ski-Verbandes. Gut-Behrami ist eine unter anderen.

Natürlich aber sind die Platzverhältnisse enger, wenn sie redet. Die Tessinerin ist die Gesamtweltcupsiegerin von 2015/16, sie ist die Frau von Fussballer Valon Behrami, sie polarisiert – und: Sie hat oft etwas zu erzählen. So ist das auch an diesem Tag, es geht um etwas Sport. Und viel Privates.

Im Sommer 2018 heirateten Lara Gut und Valon Behrami. Gut-Behrami redete hernach darüber, dass es in ihrem Leben nun andere wichtige Dinge gebe, nicht mehr nur das Skifahren. Es gab Stimmen, die das als Grund anführten für die mässigen Resultate, die folgten. Das Sportlerpaar richtete sich im Tessin ein, und als Behrami im Juli beim FC Sion unterschrieb, zog es weiter nach Martigny.

Was Lara Gut-Behrami in all den Jahren für sich verinnerlicht hat: dass sie primär auf ihr Gefühl hört und nicht auf den Kopf.

Jetzt, nach der Auflösung dieses Missverständnisses in Sitten, planen sie, nach Italien zu ziehen, nach Udine, wo der 34-Jährige zuvor spielte. «Seit ein paar Tagen», sagt Gut-Behrami, «habe ich wieder einen glücklichen Mann. Und das ist mir das Wichtigste.»

Es kommt vor, dass auch sie sich die Frage stellt, ob sie noch glücklich ist mit ihrem Leben als Skifahrerin. Sie sagt, sie schätze zwar nach wie vor sehr, was sie tue, «aber ich liebe es auch, zu Hause zu sein. Manchmal rede ich mit meinem Vater darüber, wie viele unzählige Stunden unseres Lebens wir auf einem Sessellift verbracht haben oder damit, um sechs Uhr morgens zu warten, bis die erste Bahn fährt. Letzte Woche», sagt sie, «bin ich in Zermatt um Viertel vor sechs aufgestanden. Dann machte ich sechs Fahrten, sprich: Ich war drei Minuten am Skifahren. Das wars. Für den ganzen Tag. Ich frage mich ab und zu schon, ob sich das lohnt, und denke: Das ist doch sinnlos.» Warum sie es trotzdem tut? «Ich investiere so viel in den Sport, weil ich ihn liebe. Nicht weil der Kopf sagt, dass es das Richtige ist.»

Es ist, was Lara Gut-Behrami in all den Jahren für sich verinnerlicht hat: dass sie primär auf ihr Gefühl hört und nicht auf den Kopf. Setzt sie das auch wieder auf der Skipiste um, könnte es ein erfolgreicher Winter werden.

Der Input für den Körper

In drei Wochen startet in Sölden die Saison, und bei Gut-Behrami ist einiges neu. Nach einem durchzogenen Winter hat sie keine eigene Medienbetreuerin mehr, dafür erstmals in ihrer Karriere einen neuen Konditionstrainer. Auf Patrick Flaction folgte der Spanier José Luis Alejo Hervas. «Mein Körper hat einen neuen Input gebraucht», sagt die 28-Jährige.

Es ist womöglich das, was sie benötigt, die neuen Reize, die fehlten, diesen Blick von aussen, von ausserhalb ihres Privatteams, in dem sie sich schon immer bewegte und Vater Pauli Gut der Trainer ist.

Es gab im Frühjahr Diskussionen mit dem Verband über die Fortführung des Projekts. «Die Diskussionen werden wohl erst aufhören, wenn wir alle tot sind», sagt Gut-Behrami. Sie führten dazu, «dass ich weiterhin so viel Geld erhalte, wie eine andere Athletin kostet, die sich im Team bewegt», sagt sie. Ob das für sie so stimmt? «Ich gebe mein Bestes.» Die Antwort ist vielsagend.

Ihre Verhandlungsposition würde sich mit starken Resultaten verbessern. Auf dieses Ziel arbeitet sie intensiv hin, aus manchen Ecken des Skizirkus heisst es: intensiver als auch schon.

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