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Als der Ball noch rollte8. Mai 1999:
Der Zauberer vom Baikalsee

Sascha Rytschkow kehrt nach wochenlanger Absenz zurück und sorgt dafür, dass der FC Basel dem Grasshopper-Club auf dessen Jagd nach dem Meistertitel derart ein Bein stellt, dass es in der Endabrechnung schmerzen wird.

«Ich bleibe ganz sicher, mein Vertrag läuft ja noch zwei Jahre», sagt Sascha Rytschkow im Mai 1999 vor dem GC-Spiel. Doch im Sommer wird Christian Gross Trainer, und es kommt zum Zerwürfnis.
«Ich bleibe ganz sicher, mein Vertrag läuft ja noch zwei Jahre», sagt Sascha Rytschkow im Mai 1999 vor dem GC-Spiel. Doch im Sommer wird Christian Gross Trainer, und es kommt zum Zerwürfnis.
Foto: Michael Kupferschmidt (Keystone)

Es ist das Spiel, das zeigt, wozu dieser FC Basel, Ausgabe 1998/99, fähig ist, wenn bei ihm alles zusammenpasst. Und es ist das Spiel, das zeigt, was die rotblaue Nummer 10 alles kann, wenn es bei ihr physisch und psychisch zusammenpasst. «Vorhang auf für Alexander Rytschkow», titelt die BaZ danach euphorisch und feiert einen, der letztlich tiefer fällt, als dass er jemals in die Höhe steigt: Der kleine Russe ist mit seiner Ballfertigkeit und seinen Pässen der Mann des Spiels bei diesem 2:0-Heimsieg über den Grasshopper-Club.

Es ist nicht irgendein Grasshopper-Club, sondern der aktuelle Leader der Nationalliga A. Und es ist ein Basler Sieg, der GC letztlich teuer zu stehen kommt: Den Zürchern wird in der Endabrechnung eines Finales mit drei Titelanwärtern ein Zähler fehlen, um sich den Titel zu holen. Servette wird aufgrund der besseren Bilanz in den Direktbegegnungen Meister, nach einem 5:2-Erfolg über Lausanne-Sports, das letztlich so nur Platz drei belegt.

Der FC Basel wird am Ende Fünfter und spielt im Sommer im Uefa-Intertoto-Cup. Ohne Alexander Rytschkow, der in dieser Saison noch genau einen Auftritt im FCB-Dress hat. Am 21. Juli, während sechs Minuten. Wieder gegen GC.

Zuvor, da ist der «Zauberer vom Baikalsee», wie ihn die BaZ zuweilen nennt, einmal mehr zu spät aus seinen Ferien in der sibirischen Heimat zurückgekehrt. Die Probleme mit dem neuen Trainer lassen da für den zu Exzess, Exzentrik und Aggression neigenden Spielmacher nicht lange auf sich warten: Christian Gross hat Rytschkows Fürsprecher Guy Mathez abgelöst. Und Rytschkow bricht in der Folge nicht nur erbost eine Trainingseinheit ab, sondern weigert sich auch, eine Busse von 5000 Franken zu bezahlen, die ihm der strengere neue Übungsleiter aufbrummt.

Ende August wird er zum damaligen Ligakonkurrenten SR Delémont ausgeliehen. Im Januar kehrt er wieder nach Basel zurück. Wieder zu spät. Zum dritten und letzten Mal. Denn nun wird er fristlos entlassen. So wie zuvor bereits beim RC Lens und beim 1. FC Köln.

Im Sommer versucht Rytschkow bei Paderborn in der Regionalliga Nord sein Glück. Bis der Oktober kommt und er in der Nationalliga B bei der AC Bellinzona landet. Im Sommer 2002 geht es dann zu Malcantone Agno und Trainer Vladimir Petkovic. Und dann, Ende 2003, ist die Karriere beendet. Sascha Rytschkow ist noch keine 30 Jahre alt.

FC Basel-GC 2:0 (0:0)

Schützenmatte. – 5460 Zuschauer. – Tore: 54. Fabinho 1:0. 90. Tschopp 2:0.

Basel: Huber; Barberis (54. Ceccaroni), Kreuzer, Cravero (68. Sahin), Calapes; Potocianu, Rytschkow, Veiga; Cantaluppi, Fabinho (78. Tschopp); Frick.

GC: Zuberbühler; Haas (81. Magnin), Müller, Gren, Smiljanic; Cabanas, Vogel, Tararache, Yakin; Tikva, Kawelaschwili (28. Magro/60. De Napoli).