Oje, diese Pubertät!

Was tun, wenn man ausrastet? Was ist ein Kondom? Solche Fragen treiben junge Basler an der Veranstaltung «Ich bin mehr» im Jugendzentrum Dreirosen um.

Der Knigge-Kurs wird für Youtube gefilmt.

Der Knigge-Kurs wird für Youtube gefilmt.

(Bild: Dominik Plüss)

Der Jugendarbeiter fragt den etwa 15-Jährigen: «Was machst du, wenn einer deine Familie beleidigt?» Der Jugendliche antwortet ganz aufgeregt: «Das ist mir schon passiert. Da raste ich voll aus und gehe auf ihn los.»

«Okay», sagt der Jugendarbeiter. «Gäbe es auch eine andere Möglichkeit?» – «Ich könnte davonlaufen und mich beruhigen.» – «Wie beruhigst du dich?» – «Ich suche mir mit zwei Kollegen einen ruhigen Ort und erzähle ihnen, was passiert ist.» Der Jugendarbeiter ist erfreut: «Das ist eine gute Idee. Wenn du dreinschlägst, kriegst du nur Ärger.» – «Ja, voll», antwortet der Jugendliche.

Es ist Freitagabend im Jugendzentrum Dreirosen. In den Gängen des Zentrums sind Tische verteilt. Über 100 Teenies zwischen 12 und 17 Jahren schlendern durch die Räume, lachen, essen belegte Brötchen, bleiben an den Tischen stehen und halten einen Zettel hin.

Fragen zu Liebe und Sex

Die Jugendarbeit Basel (JuAr) führt, zusammen mit anderen Partnern, eine Jugendmesse durch. An verschiedenen Ständen können Jugendliche Sorgen und Probleme besprechen. Für jede absolvierte Station erhalten sie einen Stempel. Wer alle Posten gemacht hat, kann an einem Wettbewerb teilnehmen. Wir stehen gerade am Posten «Auftreten», wo es darum geht, was man tun kann, wenn man am Vorstellungsgespräch nervös ist, oder eben, wenn jemand die Familie beleidigt und man aggressiv wird. Es gibt aber auch Stände zum Thema Sicherheit auf Instagram oder Snapchat, Sport oder Knigge-Benimmregeln.

Auf einem Tisch liegen Kondome, ein Dildo, Gleitcreme. Davor sitzen 17- und 18-jährige Jugendliche. Sie haben sich freiwillig gemeldet und beantworten anderen Teenies Fragen zu Liebe und Sex. Im Vorfeld wurden sie gecoacht. «Ein Junge fragte mich, ob Männer auch bluten beim ersten Mal», erzählt eine Freiwillige. Ein anderer wollte wissen, was ein Kondom sei. «Ich zeigte ihm dann am Dildo, wie man es aufrollt.» Auch die 17-Jährige selbst hat etwas gelernt: «Ich wusste nicht, dass es einen Verhütungsring für Frauen gibt.» Es habe aber auch blöde Sprüche gegeben. Ein Junge habe zu einem Mädchen gesagt: «Was machst du hier, du bist ein Mädchen, du weisst doch schon alles.» Andere Jungs hätten sich gegenseitig gesagt: «Du bist doch schwul.»

Oje, diese Pubertät. Keine Generation kommt an der Zeit der grossen Zweifel vorbei. Deshalb gibt es diese Messe, wie Projektleiterin Waltraud Waibel erklärt: «Die Gesellschaft hat hohe Erwartungen an Jugendliche. Dann müssen wir ihnen aber auch auf Augenhöhe zeigen, wie sie sich in schwierigen Situationen verhalten können.» Ein Kamerateam hat am Freitagabend Filme zu unterschiedlichen Themen gedreht – etwa zur Lehrstellensuche oder zum Vorstellungsgespräch. Diese werden auf Youtube gestellt, sodass die Jugendlichen sich die Tipps und Tricks im Netz ansehen können. «Jugendliche sind häufig unsicher», sagt Waibel.

Seien wir ehrlich, das geht uns Erwachsenen auch so.

Basler Zeitung

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