Still werden gegen das Medien-Bombardement

Exerzitien-Woche und Schweigeübungen im Kloster Mariastein sollen Teilnehmer näher zu Gott bringen.

Benediktinermönch Pater Ludwig empfiehlt den Leuten, sich von Zeit zu Zeit zurückzuziehen und innezuhalten. Foto: Dominik Plüss

Benediktinermönch Pater Ludwig empfiehlt den Leuten, sich von Zeit zu Zeit zurückzuziehen und innezuhalten. Foto: Dominik Plüss

«Gerade in einer Zeit, in der wir mit News überflutet werden, ist Schweigen sehr bedeutsam», sagt Pater Ludwig. 99 Prozent dieser News seien sowieso absolut belanglos. Das Schweigen solle einen davor bewahren, konstant «von aussen bombardiert» zu werden. Benediktinermönch Ludwig lädt deshalb zu Schweigeübungen ins Kloster Mariastein. Gemeinsam mit Schwester Lea, einer Dominikanerin aus Cazis GR, offeriert er unter dem Titel «in die Tiefe steigen» vom 18. bis 22. November begleitete Einzelexerzitien. Die Exerzitien-Woche richtet sich an «Erwachsene, die eine persönliche Beziehung zu Gott finden oder sie vertiefen möchten».

Pater Ludwig erzählt, die Formulierung «in die Tiefe steigen» bedeute für ihn zweierlei. Zum einen beschreibe sie den physischen Abstieg in die Gnadenkapelle. Durch einen unterirdischen Gang unter der Kirche hindurch. Zuletzt eine 59 Stufen lange Treppe hinab, ehe der Besucher diese Höhlen-Kapelle erreicht, wo einmal täglich ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert werde. «Ein symbolischer Ort.»

«In die Tiefe steigen» stehe auch dafür, was mit jedem Exerzitien-Teilnehmer geschehe. Angetreten werde eine Reise in sich selbst. «Im Schweigen, in der Stille kann sich jeder besser auf sich selbst besinnen, auf die Situation, in der er sich befindet, und auf sein Verhältnis zu Gott», beschreibt Pater Ludwig das kontemplative Element der Exerzitien.

Ohne Tischgespräch

Zwischen sechs und acht Teilnehmende wollen Schwester Lea und Pater Ludwig durch die Exerzitien begleiten. Sie kommen zur selben Zeit an, checken zur selben Zeit aus, leben für die Dauer der Exerzitien im selben Kloster. Begegnen werden sie sich jedoch schweigend. Sogar während der gemeinsamen Mahlzeiten werde geschwiegen. «Kommunikation findet trotzdem statt», sagt Pater Ludwig, «nonverbale.» Das Schweigen schärfe die Sinne. Es mache einen aufmerksamer, empfindsamer für seinen Nächsten, «wenn nicht alles in grossem Gerede untergeht». Auch wüssten die Gäste der gutbürgerlichen Klosterküche hinterher noch, was sie gegessen hätten.

Daneben regt der Benediktiner zu ganz weltlichen Methoden an, um zu einem inneren Gleichgewicht zu gelangen. Er empfehle den Gästen «sehr», in der Natur spazieren zu gehen, wenn sie schon in Mariastein seien. «Eine wunderbare Gegend, sehr ruhig, und ohne viel Ablenkung», so Pater Ludwig über die Landschaft um das Kloster herum. «Die Leute schätzen das sehr.» Viele höre er sagen, sie könnten Gott sehr gut in der Natur, in der Schöpfung erfahren. Alleine das Gehen wirke bereits wie eine Therapie. Eine Erfahrung, die er selbst habe machen können. Pater Ludwig spricht über Spaziergänge von zwei oder drei Stunden. «Das ist sehr heilsam.»

Zur Ruhe gekommen

Es gibt sie doch, die Zeitfenster, in denen gesprochen wird. Zu Exerzitien-Beginn und -Ende etwa. Es beginnt mit einer Vorstellungsrunde, in der die Teilnehmenden von ihrer Motivation erzählen. In einer Abschlussrunde, meist zu einem Mittagessen, wird das Erlebte besprochen. Oft geäussert werde, man sei ruhiger geworden. Einige hätten gemerkt, was für sie tatsächlich wichtig sei im Leben. Andere wollen neue Einsichten gewonnen haben oder hätten wieder einmal länger im Gebet verweilen können.

Einzelgespräche finden mit den Exerzitien-Begleitern täglich statt. Diese seien «ganz offen», bemerkt Pater Ludwig. Grundsätzlich werde nicht vorgegeben, worüber gesprochen wird. Es könne jedoch zu «kleinen Impulsen» kommen. Ein Gedanke. Ein Anstoss.

Verdrängtes ergründen

«Wenn die Teilnehmer daraus etwas aufnehmen können und selber reflektieren, ist das gut; wenn sie nichts damit anfangen können, macht das auch nichts.» Es gehe darum, die Gelegenheit zu geben, über Dinge zu reden, die schon lange in einem schlummern. Solche, die bisher verdrängt worden seien.

Pater Ludwig würde «wirklich allen empfehlen, von Zeit zu Zeit ein paar Tage innezuhalten». Damit meint er einen temporären Ausstieg aus dem Alltag. Er empfiehlt, sich zurückzuziehen an einen Ort, an dem man durch nichts abgelenkt wird, wo man keine Leute trifft, die man sonst schon immer trifft. Ihm schwebt ein gänzlich medienfreier Raum vor, denn dort soll es sich leichter in die Tiefe steigen lassen.

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