«Wenn wir uns öffentlich streiten, kommen wir nicht ans Ziel»

Eric Nussbaumer kritisiert die Diskussionen um seine Ständerats-Kandidatur innerhalb der SP.

Eric Nussbaumer politisiert auch künftig im Nationalrat statt im Ständerat. Foto: Keystone

Eric Nussbaumer politisiert auch künftig im Nationalrat statt im Ständerat. Foto: Keystone

Alex Reichmuth

Noch im letzten März, bei den kantonalen Wahlen, befand sich die SP Baselland auf der Siegerstrasse: Sie zog mit Kathrin Schweizer in die Regierung ein, aus der sie vier Jahre zuvor gefallen war. Zudem löste sie bei den Landratswahlen die SVP als Partei mit dem grössten Wähleranteil ab. Gestern hingegen gab es bei den Sozialdemokraten lange Gesichter statt Jubel: Ihr Kandidat um den Einzug in den Ständerat, Eric Nussbaumer, hatte gegen seine Konkurrentin aus dem grünen Lager, Maya Graf, den Kürzeren gezogen. Und nicht die SP, sondern die SVP machte im Kanton am meisten Stimmen.

Nussbaumers Rückstand auf Graf betrug zwar nur 467 Stimmen. Im Vorfeld der Wahlen ­hatte er aber bekannt gegeben, nur dann nochmals anzutreten, wenn er vor Graf liegen würde. Graf hat nun beste Chancen, im zweiten Wahlgang Daniela Schneeberger von der FDP zu überholen, die gestern mit relativ geringem Vorsprung auf Rang eins lag.

Auch am Tag nach der Vorentscheidung macht Nussbaumer aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. «Ich bin nicht zum Verlieren angetreten und wäre gerne in den zweiten Wahlgang gegangen», sagt er. Nussbaumer will seinen Rückzug als Beitrag zur Entscheidungsfindung verstanden haben. «Man hätte auch zu dritt nochmals antreten können.» Auch SP-Präsident Adil Koller zeigt sich enttäuscht. «Es ist brutal, mit nur etwas über 400Stimmen hinten zu liegen.»

Im Vorfeld war die Kandidatur Nussbaumers innerhalb der SP kritisiert worden: Es gehe darum, erstmals eine Frau für das Baselbiet ins Stöckli zu schicken, darum komme eine Männerkandidatur nicht infrage. Die Jungsozialisten (Juso) Baselland beschlossen, im ersten Wahlgang weder Eric Nussbaumer noch Maya Graf zu unterstützen.

Bei seiner Analyse, warum er gegen Graf verloren hat, betont Nussbaumer, dass seine Konkurrentin im Bezirk Sissach, wo sie herkommt, ein starkes Resultat erzielt hat. Den entsprechenden Rückstand habe er trotz leichtem Vorsprung im unteren Kantonsteil nicht mehr wettmachen können. Die Geschlechterfrage sei aber bestimmt auch wichtig gewesen bei seiner Niederlage gegen Graf, sagt Nussbaumer. «Es gab sicher SP-Wähler, die Graf ­gewählt haben.»

Schwierige Ausgangslage

Bei den Juso weist man den Vorwurf, am Rückstand von Nussbaumer schuld zu sein, zurück. «Ich will diese Person sehen, die wegen unserer Stimmfreigabe Nussbaumer nicht gewählt hat», entgegnet Juso-­Präsidentin Anna Holm. Zudem seien viele Jungsozialisten und Jungsozialistinnen persönlich hinter Eric Nussbaumer gestanden und hätten ihn tatkräftig unterstützt.

Nussbaumer selber formuliert seine Kritik auf zurückhaltende Art: Als Partei und Bewegung müsse man lernen, dass man nur dann ein Ziel erreichen könne, wenn man es gemeinsam anstrebe. «Wenn wir uns öffentlich streiten, kommen wir nicht ans Ziel.» Er hätte erwartet, dass man nach dem Entscheid der Delegiertenversammlung rascher auf das gemeinsame Ziel der Verteidigung des Ständeratssitzes hingearbeitet hätte.

«Es war eben eine Klima- und Frauenwahl», analysiert Parteipräsident Adil Koller das Wahlresultat, «das war eine schwierige Ausgangslage für Eric Nussbaumer.» Dass die Juso mit der Nichtempfehlung Nussbaumers gegen die Regeln verstossen hätten, lässt Koller nicht gelten. «Die Juso sind eine eigenständige Partei.»

Er sehe auch nichts von ungeordneten Zuständen in der SP. «Es gab am Anfang eine Diskussion um die wichtige Geschlechterfrage, aber danach standen alle hinter der kompetenten Kandidatur Eric Nussbaumers», so Koller.

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