Von Integration und anderen Märchen

Gewisse Teile der Bevölkerung akzeptieren leichtsinnig fremde Traditionen. Dies könnte dazu führen, dass wir unsere eigenen verlieren.

In Binningen soll eine Moschee erbaut werden, in welcher Mädchen und Knaben ab fünf Jahre getrennt sein sollen.

In Binningen soll eine Moschee erbaut werden, in welcher Mädchen und Knaben ab fünf Jahre getrennt sein sollen.

(Bild: Stefan Leimer)

Markus Melzl

In Binningen plant der Verband islamischer Kulturzentren den Bau einer Moschee mit zwei Gebetsräumen sowie einem Internat für Buben. Im betreffenden Zentrum müssen Mädchen und Knaben ab dem Alter von fünf Jahren getrennt bleiben, und um dies zu erreichen, sind nicht nur gesonderte Gebetsräume, sondern sogar separate Treppenhäuser vorgesehen.

Als Verbandszweck werden die Unterweisung im islamischen Glauben und eine möglichst gute Integration aufgeführt.

Wer Buben und Mädchen strikte trennt, trägt nichts zur Integration bei, sondern zementiert ein Frauenbild, welches den Werten eines säkularen Staates zuwiderläuft und nicht mit der Schweizerischen Bundesverfassung vereinbar ist. Die neuste Einfältigkeit ist der aktuelle Aufruf zum ersten «Welt-Kopftuch-Tag».

Dabei sollen nicht-muslimische Frauen ermuntert werden, am 1. Februar 2019 das islamische Kopftuch auszuprobieren und dabei ein Zeichen für Toleranz und Freiheit setzen. Vermisst wird im Gegenzug ein «Welt-Badekleid-Tag», wo muslimische Frauen ermutigt werden, an einem bestimmten Tag im Sommer ein Gartenbad aufzusuchen und dort in Badebekleidung völlig befreit einen sonnigen Tag zu verbringen.

Dies würde nicht nur ein starkes Zeichen setzen, sondern wäre zugleich Lackmustest für die männlichen Familienmitglieder in Sachen Integration.

Die Bürger vieler westeuropäischer Staaten und auch bei uns in der Schweiz stellen sich zunehmend die Frage: Weshalb nur dürfen Zuwanderer ihre Integration weitgehend selbst gestalten, ohne Sanktionen befürchten zu müssen, dies mit zweifelhafter Unterstützung durch flüchtlingsaffine Politiker und Parteien?

Dazu passt auch der Fall aus Bremen, wo einem deutschen Vater mit seiner zweijährigen Tochter aus Rücksicht auf muslimische Mütter die Teilnahme am Kinderschwimmen verboten wurde. Oder die Weigerung der staatlich subventionierten Berliner Waldorf-schule, ein sechs Jahre altes Kind einzuschulen, weil sein Vater im Berliner Senat Mitglied der AfD-Fraktion ist.

Mit zweierlei Mass gemessen

Was hätte es für einen Aufschrei gegeben, wenn muslimischen Müttern die Teilnahme am Kinderschwimmen verwehrt worden wäre oder das Kind einer links-grünen Politikerin wegen deren politischen Engagements bei der Waldorfschule hätte aussen vor bleiben müssen?

Mit Sicherheit wäre auch eine muslimische Schülerin mit einem hellen Kopftuch nicht von der Weihnachtsfeier im bernischen Erlach ausgeschlossen worden, im Gegensatz zu jenen fünf Oberstufenschülern, welche im Edelweisshemd aufkreuzten und von ihrer Lehrerin vordergründig zum Tragen von dunkler Kleidung aufgefordert wurden.

Es erschüttert, wie leichtsinnig gewisse Teile der Bevölkerung fremde Traditionen und religiöse Radikalforderungen mit beschämender Unterwürfigkeit akzeptieren. Das Resultat wird nicht ein schwärmerisch verklärtes Multikulti sein, sondern der Verlust unserer Tradition und schlussendlich der eigenen Identität.

Markus Melzl ist ehemaliger Kriminalkommissär und Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.

Basler Zeitung

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