Polizei greift zu drastischen Mitteln

Dreimal musste die Polizei dieses Jahr Personen mit dem Taser überwältigen – das letzte Mal diesen Donnerstag.

Starkstrom auf die Person: Mit einer solchen Elektroschockpistole setzte die Polizei eine verwirrte Mutter ausser Gefecht

Starkstrom auf die Person: Mit einer solchen Elektroschockpistole setzte die Polizei eine verwirrte Mutter ausser Gefecht

(Bild: Keystone)

Serkan Abrecht

Am Donnerstagabend, kurz nach sieben Uhr, hatten Basler Polizeibeamte im Kleinbasel zu heftigen Mitteln zu greifen: zur Elektroschock­pistole, auch Taser genannt. Eine 37-jährige Frau hatte an der Mark­gräflerstras­­se ihren 19-jährigen Sohn mit einem Messer bedroht. Dieser rief daraufhin die Polizei und flüchtete. Die offenbar stark verwirrte Frau verschanzte sich beim Eintreffen der Polizei in ihrer Wohnung und drohte, sich selber oder die Einsatzkräfte zu verletzen. Deshalb entschlossen sich die Beamten, ein Destabilisierungsgerät – so die offizielle Bezeichnung für einen Taser – gegen sie einzusetzen, um sie zu überwältigen. Und der Taser machte kurzen Prozess: Bis zu 50 000 Volt stark sind die Stromschläge, die der Körper ertragen muss.

Bei der Auslösung der Elektroschockpistole werden zwei kleine, metallene Pfeile aus der Pistole geschossen, die in die Haut der Zielperson eindringen. Die Pfeile sind durch Drähte mit der Pistole verbunden, welche so die Stromimpulse in die getroffene Person leitet. Dabei kann der menschliche Körper bis zu fünf Sekunden unter Strom gesetzt und das motorische und sensorische Nervensystem gestört werden. Die getroffene Person wird absolut bewegungsunfähig.

Das mildeste Mittel

Die Basler Polizei ist seit 2007 mit den Elektroschockpistolen ausgerüstet. Bis vor drei Jahren durften aber ausschliesslich die Mitglieder der Sondereinheit Basilisk die Geräte tragen. Als 2013 ein französischer Profiboxer auf dem Kannenfeldposten durchdrehte und zwei Polizisten verletzte, verlangten Polizeibeamte ebenfalls die Ausrüstung mit dem Taser.

Seit 2015 sind nun 90 Polizei­beamte mit dem Taser ausgerüstet. Häufig zum Einsatz kamen die Geräte aber nicht. Bis zu Beginn dieses Jahres wurde nur einmal ein Gerät benützt, dieses Jahr jedoch gleich dreimal. Von einer Zunahme möchte Polizeisprecher Andreas Knuchel aber nicht sprechen. «Das Destabilisierungsgerät wird als das mildeste, zielführende Mittel zur Deeskalation ein­gesetzt. Das war dieses Jahr offenbar dreimal nötig. Es kann aber sein, dass es nächstes Jahr zu keinem Einsatz kommt. Deshalb ist es noch zu früh, um von einer Häufung zu sprechen.»

Medizinische Nachbetreuung

In der Reihenfolge der möglichen, einsetzbaren Mittel kommt die Elektroschockpistole vor der Schusswaffe. Die Polizisten verfügen zudem über Pfefferspray und Schlagstock. Wobei beim Einsatz des Letzteren leichte bis starke Verletzungen beim Aggressor in Kauf genommen werden müssen. Der Pfeffer­spray hingegen tangiert nur den Seh­bereich der getroffenen Person und ist auch nicht bei jedem Menschen gleich wirksam. Wird gegen eine Person eine Elektroschockpistole eingesetzt, werde von den Polizisten eine medizinische Nachbetreuung sichergestellt, hält ­Knuchel fest.

Darüber hinaus werde jede Verwendung des Tasers registriert und auf deren Verhältnismässigkeit überprüft. Bei einem Einsatz der Schusswaffe wird ähnlich vorgegangen. Mit dem Unterschied, dass die Staatsanwaltschaft automatisch ein Strafverfahren gegen den betroffenen Beamten eröffnet. Beim Fall vom vergangenen Donnerstag versuchten die Beamten, die Situation zuerst verbal zu entschärfen.

Eine zivile Verhandlungsgruppe der Polizei sprach rund eine Stunde mit der verwirrten Mutter und versuchte, sie zu beruhigen. Ohne Erfolg. Am Schluss knatterte der Taser. Die Frau wurde überwältigt und gleich darauf von der Sanität für eine medizinische Untersuchung in die Notaufnahme gefahren. Verletzt wurde bei dem Einsatz niemand.

Basler Zeitung

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