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Als der Ball noch rollte19. Mai 1988:
Der Captain verlässt als Erster
das sinkende Schiff

Es ist bis heute das letzte Basler Derby, das von einem Hauch von Schweizer Spitzenfussball begleitet wird. Der FCB und OB trennen sich 1:1. Danach hat Basel sechs Jahre lang keinen Club mehr in der höchsten Spielklasse.

Ein Jahr nach dem Abstieg mit dem FCB wird Peter Nadig (rechts) mit dem FC Luzern Schweizer Meister.
Ein Jahr nach dem Abstieg mit dem FCB wird Peter Nadig (rechts) mit dem FC Luzern Schweizer Meister.
Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Der 19. Mai ist auch der Tag, an dem der FC Basel seinen bislang letzten Cupsieg einfuhr. Vor genau einem Jahr war das – und es ist damit noch nicht lange her. Doch darum soll es hier nicht gehen. Vielmehr soll daran erinnert werden, dass der FCB schon sportlich schwierigere Zeiten hatte, als dies zwei verpasste Meisterschaftstitel in Folge und wirtschaftlicher Misserfolg gegenwärtig sind.

Am 19. Mai 1988, da versinkt das rotblaue Fussball-Flaggschiff vom Rhein endgültig in den Niederungen der Nationalliga B. Zum Abschluss der NLA/NLB-Auf-/Abstiegsrunde stehen sich in einer sportlich bedeutungslosen Partie ausgerechnet die Stadtrivalen vor 1400 Zuschauern im Stadion St. Jakob gegenüber. Der FCB empfängt den BSC Old Boys, man trennt sich 1:1.

Gleichzeitig wird bekannt, dass der Captain der Erste ist, der dieses sinkende rotblaue Flaggschiff verlässt: Peter Nadig will mit seinen erst 23 Jahren das Niveau halten und wechselt zum FC Luzern – ein Jahr später wird er Schweizer Meister und Schweizer Fussballer des Jahres sein.

Letztere Ehre kommt 1991 auch dem FCB-Torschützen dieser Derniere zu, die in der BaZ vom späteren FCB-Medienchef und Clubhistoriker Josef Zindel durch die achtmalige Nennung des Wortes «trist» oder «Tristesse» im ersten Abschnitt den passenden Anstrich erhält: Adrian Knup wird es in seiner Karriere bekanntlich noch weiter bringen als Nadig. Und auch er wechselt zum FC Luzern – allerdings erst 1989. Zuvor, da verbringt er eine Saison beim FC Aarau. Schweizer Meister wird er als Spieler nie.

Es ist ein Schicksal, das er mit Dominique Herr teilt: Auch der Innenverteidiger wird den FCB nach dieser Partie verlassen. Und auch der Innenverteidiger kommt ein Jahr zu spät, um Meister zu werden: Er wechselt zunächst für vier Jahre zu Lausanne-Sport. Dann geht er zum FC Sion, der gerade Schweizer Meister geworden ist – und beendet seine Karriere schliesslich im Sommer 1996 im Wallis mit dem zweiten Cupsieg in Serie. Im Folgejahr wird Sion noch einmal Meister …

Im Wallis wird auch der Schiedsrichter dieses letzten Basler Derbys auf höherem Niveau sein unvergessliches Erlebnis haben: Im November 1989 leitet Bruno Klötzli die NLA-Partie zwischen dem FC Sion und dem FC Wettingen – und er pfeift diese ab, unmittelbar bevor der Ball zum Wettinger Ausgleich über die Torlinie segelt. Die Jagdszenen danach sind kein ruhmreiches, aber ein unvergessliches Stück Schweizer Fussballgeschichte, das hier nachgeschaut werden kann.

FC Basel - Old Boys 1:1 (0:0)

Stadion St. Jakob. – 1400 Zuschauer. – SR Klötzli. – Tore: 47. Knup 1:0. 66. Magro 1:1.

FCB: Suter; Hauser (66. Füri); Herr, Hodel; Zahner, Nadig (56. Mata), Dittus, Bützer, Ceccaroni; Thoma, Knup.

Old Boys: Lorenz; Maurer; Mattioli, Magro, Krienbühl (63. Kägi), Jan, Fanciulli, Lüdi, Spicher (87. Baumlin), Troiani; Cosenza.