Die virtuelle Überlagerung der realen Stadt

Smartphones und andere elektronische Geräte erweitern das Erleben des urbanen Raumes um neue Dimensionen. Wie diese Durchdringung die Wahrnehmung verändert, thematisiert eine Ausstellung im Haus der elektronischen Künste Basel.

Die Ausstellung soll die «unsichtbare Topographien des Digitalen» aufzeigen.

Die Ausstellung soll die «unsichtbare Topographien des Digitalen» aufzeigen.

(Bild: Timo Arnall, Light Painting WiFi 2011)

Flanieren ist schon reizvoll, doch mit gleichzeitigem Surfen oder Chatten wird der real durchschrittene Raum virtuell ergänzt. Eine spontane Suche nach einem Restaurant braucht heute weniger gute Augen und Sohlen als gute Programme und eine gute Datenverbindung per Smartphone - und ein Tisch ist so oft auch rascher reserviert.

Die Ausstellung im Basler Dreispitz-Areal - die erste der neuen künstlerischen Leiterin Sabine Himmelsbach - versammelt elf künstlerische Positionen dazu, wie Vorstellung und Wahrnehmung sich so durchdringen. Aufgezeigt werden «unsichtbare Topographien des Digitalen», wie Himmelsbach am Donnerstag vor den Medien sagte.

E-Selbstversuche

Besuchende werden gleich zum Selbstversuch eingeladen, die Umgebung des Kunsthauses oder auch die Basler Innerstadt anhand von «Soundwalks und Handyapplikationen sensorisch zu erkunden», wie das Haus verspricht. Zur Ausstellung, die bis am 11. November offen ist, gehören unter anderem auch Führungen und Künstlerworkshops.

Die Delegation der Orientierung an Elektronik verändert laut Himmelsbach auch die persönliche Raum-Erfahrung. Zudem hätten die von Kunstschaffenden verwendeten digitalen Überwachungstechnologien immer eine gewisse Ambivalenz - neben der Kunst werden diese ja längst ubiquitär zwecks Kontrolle eingesetzt.

Eine Auftragsarbeit ist ein «Electric Walk» der Deutschen Christina Kubisch: Sie lädt ein zu Spaziergängen mit Kopfhörern, die elektromagnetische Felder hörbar machen. Das kann laut Kubisch «Heavy-Metal-Qualität» haben, teils «auch beängstigend». Dringend abgeraten wird dabei vom Durchschreiten von Sicherheitsschranken.

EDV auf dem Lern-Trip

Mit einem «lernenden System» verarbeitet hat die Deutsche Ursula Damm Bild- und Tonaufnahmen vom Basler Aeschenplatz: Bewegungen von Menschen und Fahrzeugen beeinflussen jeweils die Speicherung und Abbildung, wobei Formen und Farben wie auch Geräusche zerfliessen, dies wand- und raumfüllend, auf der Suche nach Vor-Bewusstem.

Die Schweizerin Corinne Studer überträgt in Echtzeit Bewegungen von Fischen, die zum Erkennen von Verschmutzungen in Wiener Donauwasser gehalten werden, auf einen kristallförmigen Monitor. «Trash Track» einer MIT-Gruppe verfolgte den Weg diverser Haushaltabfälle mittels Chips (RFID) - die gingen teils monatelang quer durch Nordamerika.

Die im Haus der Elektronischen Künste gezeigten Werke nutzen meist digitale Technologien spielerisch, teils leicht didaktisch, insgesamt eher darstellend. Manches ist sehr ästhetisch, einiges auch philosophisch. Kaum thematisiert werden derweil Risiken wie Ablenkung, Perspektivenverengung oder digital gefälsche Realitäten.

amu/sda

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