Verblendete Klimaaktivisten

Ein paar verletzte Polizisten spielen keine Rolle: Es ist beängstigend, wie sich Menschen derzeit benehmen, die besessen sind von der Überzeugung, «das Richtige zu tun».

Die Polizei räumte den Braunkohle-Tagebau Garzweiler.

Die Polizei räumte den Braunkohle-Tagebau Garzweiler.

(Bild: Keystone)

Sebastian Briellmann

Die Polizei hatte schon geahnt, dass die Situation eskalieren könnte – und es hatte deshalb fast etwas Rührendes, wie sie mit einem Brief die Jugendlichen von «Fridays for Future» vor allfälligen Straftaten beschützen wollte, quasi als Vorabinformation. Die Beamten wollten verhindern, dass sich die selbst ernannten Klimaschützer von der linksradikalen Bewegung «Ende Gelände» instrumentalisieren lassen, die am Wochenende den Braunkohle-Tagebau Garzweiler in Nordrhein-Westfalen stürmen wollte.

Nachdem das nun passiert ist, muss man klar sagen: Der Brief war durchaus eine nette Geste der Polizei, aber am Ende auch ein bemitleidenswerter Versuch. Empört wies «Fridays for Future» dieses Schreiben zurück, wollte darin eine Spaltung der Klimabewegung erkannt haben und beteuerte, man wolle friedlich bleiben. Das blieb man natürlich nicht. Es ist beängstigend, wie sich Menschen derzeit benehmen, die besessen sind von der Überzeugung, «das Richtige zu tun». Sie stürmen einen Tagebau, bringen sich und andere in Gefahr und verletzen skrupellos acht Polizisten.

Die vermeintlichen Weltretter denken keine Sekunde daran, was der Ausstieg für Tausende Arbeiter bedeuten wird.

Ist das eine gute Sache? Ist das gerechtfertigt, nur weil ihnen der Kohleausstieg, den Deutschland ja längst beschlossen hat, nicht schnell genug geht? Sicher ist es das nicht. Die vermeintlichen Weltretter denken keine Sekunde daran, was der Ausstieg für Tausende Arbeiter bedeuten wird; ganz zu schweigen davon, dass ohne Kohle die Stromproduktion nicht nur mehr kostet, sondern nach aktuellem Stand auch gar nicht gesichert ist. Dass das für alle noch verheerende Konsequenzen haben könnte, interessiert die Verblendeten nicht.

Nun kann man vielleicht sagen, dass diese Weitsicht nicht verlangt werden muss von Menschen, die sich fürs Klima einsetzen – was mit schlüssigen Forderungen sicher sein Gutes hätte. Aber wenn solche Aktionen dermassen ausarten, wenn es dazu kommt, dass sich eine grüne Bundestagsabgeordnete (Lisa Badum) und ein grüner Europaparlamentarier (Erik Marquardt) nicht von dieser Gewalt distanzieren, sondern die Polizei verantwortlich dafür machen, sie habe die Krawallbrüder (und -schwestern) erst nach Stunden mit Essen versorgt und keine Busse (sic!) für die Heimreise organisiert: Dann stimmen die Relationen in einem ohnehin verunsicherten Land einfach nicht mehr.

Was bleibt, ist die Feststellung, dass grüne Aktivisten nicht mal in der Lage sind, eine (friedliche) Demo von ein paar Stunden zu planen – aber felsenfest überzeugt sind, die Zukunft der ganzen Welt voraussehen zu können. Das sollte uns zu denken geben.

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