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Als der Ball noch rollte11. Mai 2011:
Aus wenig wird ganz viel

Der FC Basel ist beim FC Zürich optisch klar unterlegen. Aber er hat Alex Frei, der zweimal trifft und seinen Farben so im Kampf um den Meistertitel ein 2:2 von grosser Tragweite beschert.

Der eine war seither schon Sportchef und FCB-Interimstrainer, der andere spielt noch immer beim FCZ: Alex Frei schiesst in der 77. Minute das 2:2, Marco Schönbächler kann nur zuschauen.
Der eine war seither schon Sportchef und FCB-Interimstrainer, der andere spielt noch immer beim FCZ: Alex Frei schiesst in der 77. Minute das 2:2, Marco Schönbächler kann nur zuschauen.
Foto: Samuel Truempy (Keystone)

Es gibt Geschichten, die haben mehr als nur ein Ende. Jene von Alex Frei und seinen zwei Toren gegen den FC Zürich ist so eine. Der FC Basel sieht im Letzigrund schlecht aus. Er gerät gegen die von Profitrainer-Neuling Urs Fischer betreuten Zürcher zweimal in Rückstand. Und er kommt kaum zu Szenen. Doch zwei halbe Chancen genügen dem Torjäger, um dem FCB das Remis zu bringen.

Der Schlusspfiff, der das 2:2 amtlich werden lässt, ist auch Auftakt: Zwei Wochen später ist der FC Basel zum zweiten Mal in Folge Schweizer Meister. Mit genau einem Punkt Vorsprung auf den FCZ. Und er sichert sich das goldene Ticket, die direkte Teilnahme an der Champions League.

Die FCB-Verantwortlichen von damals werden bis heute nicht müde, zu betonen, welch Schlüsselereignis jene zwei Tore waren, wenn es um den Erfolgsweg geht, der fortan in der Ära Heusler/Heitz beschritten wird. Und Ancillo Canepa – damals wie heute Präsident des FC Zürich – glaubt unverändert, dass Alex Freis Kaltblütigkeit allein den Gang der Schweizer Fussballgeschichte nachhaltig zugunsten des FCB und zum Nachteil des FCZ verändert hat. Denn die Zürcher – Meister 2006, 2007 und 2009 – kommen danach nie mehr in die Nähe des Titels und der Champions-League-Millionen. Der FC Basel hingegen wird zum Monstrum, das am Ende acht Goldkübel in Serie gestemmt hat und immer wieder im Europacup glänzt, sich dank der Schaufenster Millionen an Prämien und Transfereinnahmen holt.

Die Pointe dieser Geschichte ist ihr Anfang. Irgendwann im Juli 2009. Die Verpflichtung von Alex Frei ist noch nicht ganz unter Dach und Fach. Unten auf dem Rasen spielt eine Basler Mannschaft, die unter dem neuen Trainer Thorsten Fink versucht, Tritt zu fassen. Oben auf der Tribüne nimmt Sportchef Georg Heitz einen Anruf auf seinem Handy entgegen. Ancillo Canepa ist dran. Und irgendwann beim Plaudern sagt der FCZ-Präsident zu Heitz: «Ich glaub ja nicht, dass Alex Frei zum FC Basel kommt.»

Heitz hängt auf, dreht sich zu seinem Sitznachbarn und sagt: «Hey, Alex! Ancillo Canepa glaubt nicht, dass du zum FCB kommst.» Alex Frei schaut ernst und schmettert zurück: «Der sieht dann schon, dass ich da bin, wenn er zwei im Netz hat.»

22 Monate später hat der FCZ zwei im Netz. Es sind zwei Tore, die allein alle FCB-Investitionen in Alex Frei wettmachen.

FC Zürich - FC Basel 2:2 (1:0)
Letzigrund – 22’800 Zuschauer. – Tore: 43. Djuric (Schönbächler) 1:0, 69. Frei (Streller) 1:1, 75. Nikci (Alphonse) 2:1, 77. Frei (Dragovic) 2:2.

Gelb-Rote Karte: 93. Béda (Foul).

FCZ: Leoni; Philippe Koch, Béda, Teixeira, Magnin; Schönbächler, Barmettler (67. Margairaz), Kukuruzovic, Djuric (62. Nikci); Alphonse (78. Chermiti), Mehmedi.

FCB: Costanzo; Steinhöfer, Abraham, Dragovic, Safari; Cabral (46. Yapi); Shaqiri, Huggel, Zoua (74. Granit Xhaka); Streller, Frei (89. Taulant Xhaka).